CULTURE

Rudolf Kornprobst im Gespräch -
über die Pioniere des Kurwesens in Tirol

04 forst

Der zweite Band der Schriftreihe Kleinode Merans, herausgegeben vom Heimatschutzverein Meran, trägt den Titel „Dr. Bernhard Mazegger junior und senior. Wegbereiter für den Kurort Meran-Mais“. InSide sprach mit Autor Rudolf Kornprobst über die Geschichte der Familie Mazegger und über ihre innovative und imposante Kuranstalt in Obermais.

Dein ansprechend gestaltetes und mit vielen Fotografien und historischen Dokumenten bestücktes Buch ist zwei Meraner Persönlichkeiten gewidmet, die viel geleistet haben, jedoch bislang wenig Erwähnung in der Fachliteratur gefunden hatten. Wie bist du auf die Beiden aufmerksam geworden?
Ich bin im Freihof aufgewachsen, dieser war Teil der ehemaligen Kuranstalt Dr. Mazeggers. Als Kind durchstreifte ich verbotenerweise die Keller und entdeckte altes Mobiliar und Gerätschaften… erste Neugierde war geweckt! Meine kunstgeschichtliche Diplomarbeit widmete ich dem Architekten Karl Moeser, auch dort stieß ich auf den Namen Mazegger. Im Lauf der Jahre reifte das Interesse und ich intensivierte die Recherchen. Die Nachfahrinnen, die Schwestern Waltraud und Elfriede Baumgartner, stellten mir wertvolle Dokumente und Bildmaterial zur Verfügung.

In Kürze: Was waren die Leistungen von Bernhard Mazegger Senior und Junior?
Bernhard Mazegger Senior war Arzt, der erste Homöopath Tirols, Tourismuspionier – sozusagen einer der Gründerväter des Kurwesens in Meran, und Dichter... Aus einfachsten Verhältnissen stammend, Sohn eines Schuhmachers aus Tartsch, besuchte er das Meraner Benediktiner Gymnasium, studierte Medizin in Innsbruck, Wien und Padua. 1840 eröffnete er die erste Kuranstalt in ganz Tirol, und zwar in Meran-Obermais, er überließ Grundstücke zur Anlegung von Promenaden und ließ selbst Spazierwege anlegen, um nur einiges zu nennen. Der Tourismus war gerade beim Aufkeimen und die Stadt war ein verschlafenes Provinznest.
Sein Sohn führte die Kureinrichtung weiter und war zudem ein anerkannter Archäologe, sein Steckenpferd war die sogenannte Maia-Frage. Diesen Aspekt vertieft Günther Kaufmann, langjähriger wissenschaftlicher Kurator des Südtiroler Archäologiemuseums, in seinem Gastbeitrag im Buch.

Dr. Bernhard Mazegger Senior war auch Politiker und erfolgreicher Geschäftsmann…
… und 1849 vertrat er als Parlamentsabgeordneter auf der Frankfurter Nationalversammlung den Ersten Wahlkreis Tirol und Vorarlberg (Oberinntal, Landeck), sein Freund Beda Weber den Zweiten Wahlkreis An der Etsch/Tirol und Vorarlberg (Meran). Auch geschäftlich hatte er ein sehr gutes Händchen. Er baute nicht nur die große Kuranstalt in Meran-Obermais, sondern erwarb auch andere Immobilien und Grundstücke u.a. Schloss Planta in Meran, die Schlandersburg und den Leopold-Brigl Hof in Eppan.

Auf dem Weg von Meran ins Passeiertal, rechter Hand, kurz vor der Brücke über die Passer, beeindruckt noch heute der Anblick des großen, langgezogenen Freihof-Gebäudes, welches Teil dieser Kuranlage war.
Es wurden sogar mehrere Gebäude, darunter auch die Villa Dr. Mazegger, zu diesem großen U-förmigen Gebäudekomplex verbunden; darin befanden sich Behandlungssäle und Räume zur Unterbringung der Kurgäste, zudem sollte ein Teil der Privatbildungsanstalt Völkerrast dienen. Letzteres Projekt wurde allerdings nicht verwirklicht. Es gab noch mehrere Nebengebäude inklusive der Pension Mazegger, heute Residence Maria. Die sich darin befindenden Säle wurden sogar als eine Art Kursaal genutzt, in dem kulturelle Veranstaltungen stattfanden, bevor es ein Kurhaus in der Stadt gab.

Welche Kuren wurden durchgeführt?
Was ursprünglich angeboten wurde, verrät zum Teil der Name: „Kaltwasser-Molken- und Trauben-Kuranstalt des Dr. Mazegger zu Obermais bei Meran in Tyrol“. Ein Schwerpunkt waren die Kaltwassertherapien. Im Buch vertieft Herta Burger Ausserer, Ärztin spezialisiert auf Hydro- und Balneotherapie, dieses Thema. Außerdem wandte Mazegger Senior die damals neuartige Homöopathie an. Diese Behandlungsmethode kam besonders beim Großbürgertum und Adel gut an und steigerte die Attraktivität der Einrichtung.
Bernhard Mazegger Junior hingegen spezialisierte sich auf die Terrain-Kur, entwickelt von Prof. Dr. Max Josef Oertel, die den heilsamen Effekt von „dosiertem Gehen in unterschiedlichem Gelände“ propagierte.

Das Bild „Stiller Winkel am Bach“ von Peter Fellin ist das originelle Cover des Buches. Wieso hast du dieses Werk ausgewählt?
Der Künstler Peter Fellin hat 45 Jahre lang im Freihof gelebt und gearbeitet. Das Thema Wasser z.B. die Kaltwasserkuren, welche in der Mazeggerschen Kuranstalt angeboten wurden, schuf eine weitere Assoziationsfährte.

DER AUTOR RUDOLF KORNPROBST
1959 geboren in Meran. Studium der Rechtswissenschaften in Bologna und Kunstgeschichte in Innsbruck. Pensionierter Grundbuchführer und Mitglied des Heimatschatzvereins Meran.
Das Buch „Dr. Bernhard Mazegger Senior und Junior. Wegbereiter für den Kurort Meran-Mais“ ist in Meran gegen eine Spende erhältlich im Fachgeschäft Kikinger oder in der Buchhandlung Alte Mühle.

 

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