Vielseitig, offen, aktuell
Autor Dominik Unterthiner im Gespräch

2021 war er Finalist beim Grazer Wettbewerb „wirsindlesenwert“, 2025 erhielt er eine Ehrung vom Theaterverband Tirol und im Mai durfte er einen Monolog bei „Kultur.Raum“ in Bozen präsentieren.
Die Rede ist von Dominik Unterthiner (*1988). In Reischach aufgewachsen, lebt er seit seinem Studium in Innsbruck, wo er als Dozent, Autor, Schauspieler, Regisseur und Radiomoderator arbeitet. Wir durften ihm einige Fragen stellen.
Du nennst dich selbst einen Menschen mit „Stift, Scheinwerfer und Stimme”. Warum?
Der „Stift“ hält meine Talente zusammen. Ich schreibe mit Vorliebe fürs Theater, nichtsdestotrotz wurden Kurzgeschichten sowie Gedichte von mir in Literaturzeitschriften veröffentlicht. Ich liebäugle vermehrt mit der Mundartlyrik. Sie ist für mich ein literarisches Werkzeug, um die Themen Herkunft, Natur und Sprache zu bearbeiten.
Hast du aktuell ein Buchprojekt?
Ich arbeite derzeit mein Manuskript fertig aus. Es handelt sich um eine „Coming-of-Age-Story“ im Bruneck der 70er bzw. 00er Jahre. Gleich zu Beginn stürmt mein 18-jähriger Protagonist Fabian aus seinem Zimmer und stellt sich vor seine Familie – die nächsten Worte, die er ausspricht, werden sein Leben verändern: „Mama, Papa, ich bin schwul.“ Was dann passiert und was das mit den 70ern zu tun hat, wird bald gelüftet. Der Roman erscheint Anfang 2027 bei Edition Raetia.
Wann hast du verstanden, dass du schreiben möchtest?
Bereits in der Kindheit. Ich habe als Grundschulkind Fantasiegeschichten mit Diddl-Mäusen und Kristallen geschrieben – ich war da von „Jump and Run“-Computerspielen beeinflusst. Meine Lehrerin hat das nicht wirklich verstanden, aber das war mir egal. Das war meine Welt: Die Texte sollten mir gefallen und dieser Gedanke begleitet mich bis in die Gegenwart. Endgültig verstanden habe ich es, als Menschen auf mich zugekommen sind und gesagt haben: „Danke, dass du diesen Text geschrieben hast. Er hat mich emotional berührt.“
Und der „Scheinwerfer“ meint die Theaterwelt?
Ganz genau. Meine Texte haben mit der Zeit dialogische Formen angenommen. Witzigerweise wollte ich nicht für das Theater schreiben, aber das Theater war wie ein Boomerang. Und statt ihn zum gefühlt hundertsten Mal zu werfen, habe ich ihn genauer inspiziert und das hat dann zu meinem Debütstück „Lila Regen“ geführt.
„Lila Regen”: Worum geht es?
Der Protagonist ist ein namenloser Lehrer im Alltagstrott, der in einer Kneipe eine mysteriöse Frau namens Dystopia trifft. Sie sucht Hilfe, denn sie soll eine knifflige Entscheidung für ihre Chefitäten treffen. Und dafür verspricht sie ihm 100.000€. Deal! Ihr Dilemma: Sie soll entscheiden, ob die Menschheit untergehen soll – oder nicht. Ein skurriles „Road Movie“, das hoffentlich bald auch in Südtirol zu sehen sein wird. Erste Gespräche hat es bereits gegeben.
Auf Instagram sagst du, dass du eine „offene Kultur“ unterstützt. Wo ist die Gesellschaft „zu“?
Provokant beantwortet: In nahezu allen Lebensbereichen. Ich habe den Eindruck, dass wir Menschen oft geschlossene Ohren haben und uns gegenseitig nicht mehr zuhören – und falls wir einander zuhören, dann wollen wir das Gegenüber nicht verstehen. Dieses Weghören trennt Menschen, noch schlimmer, wir überfluten uns mit Reizen, um der Auseinandersetzung mit unserem Umfeld auszuweichen. Damit verschließen wir unser gesellschaftliches Mitgefühl.
[Adina Guarnieri]
Leseprobe Lyrik von Dominik Unterthiner
ogn
ogn druck is
ogn druck i mi
schlucks und
voschluck mi
weil sie mir sogn
wie i zi sein hon
ogn druck is
ogn druck i mi
brichs und
zobrich mi
weil is nimma heb
wie i zi sein hon
























































































