Mit der kleinsten Maske der Welt
Clownin Gaby und der Verein Comedicus bringen Leichtigkeit ins Leben

Martina Sinner aus Girlan ist seit 16 Jahren als Clownin unterwegs - seit zwölf Jahren als Gaby für Comedicus. Es ist ihr Beruf und ihre Berufung: „Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen!“
Wenn Martina Sinner spricht, so tut sie es ruhig und reflektiert. So ganz anders als Clown Gaby, die laut und oberflächlich durchs Leben poltert und immer und überall Aufmerksamkeit sucht. „Gaby ist eine Tussi. Sie ist vorlaut und manchmal penetrant und kann sich schnell für etwas begeistern. Das bekommt dann aber auch jeder mit.“
Wie bist du zu Clownin Gaby gekommen?
Ich bin durch meine Schwester Edith zur Clown-Ausbildung gekommen, damals noch an der Clown Academy von Sigrid Seberich alias Karamela. Ein Clown spielt nicht eine feste Rolle wie ein Schauspieler auf der Bühne. Er lernt zwar eine Nummer, aber er tritt durch Mimik, Gestik, Körperarbeit und Rhythmus unmittelbar mit den Menschen in Kontakt. Er spielt mit Personen und vor Personen. Meine Clownin Gaby habe ich gemeinsam mit den anderen Kursteilnehmern und verschiedenen Clownlehrern entwickelt. Man tritt mit den anderen in Resonanz, und gemeinsam findet man den inneren Clown, der sogar eine Biografie bekommt. In den letzten Jahren hat sich die Ausbildung zunehmend professionalisiert. Wir achten auf die kleinsten Details, tüfteln an Kleidung, Accessoires und neuen Nummern. Da kommt dann auch die Perfektionistin in mir heraus (lacht). Seit 2018 bin ich hauptberufliche Clownin. Es ist ein künstlerischer Beruf, genauso wie Schauspieler, Sänger oder Musiker.
Was zeichnet einen Clown aus?
Der Clown hat grundsätzlich einen anderen Zugang zum Leben, er kontrastiert es. Wir alle meiden ja Probleme und sind froh, wenn wir keine haben. Der Clown hingegen braucht ein Problem, das er so lange aufschaukelt, bis es zum Desaster kommt. Das muss er dann auf humorvolle Weise lösen. So wollen wir Leichtigkeit und Ablenkung bringen, wie wir es in Seniorenwohnheimen und Krankenhäusern tun. Man braucht aber auch Einfühlungsvermögen und das Gespür für die Stimmung im Raum. Manchmal ist es fast schon eine psychologische Arbeit.
Du sagst, du spielst mit der kleinsten Maske der Welt. Was meinst du damit?
Die rote Nase ist die kleinste Maskierung. Und gleichzeitig ist die Nase nicht weit von den Augen entfernt. Von der Nase zu den Augen und damit zum Tor zur Seele! Ich möchte mit meiner Arbeit immer die Menschen berühren und ihnen einige heitere Stunden bereiten. Ich biete Begegnungen an. Manchmal öffnen sie sich auch. Dann entstehen sehr schöne Situationen, die noch lange in mir nachhallen.
Als Krankenhausclown für den Verein Comedicus bist du aber auch mit Leid konfrontiert.
Das stimmt, und ich bin dankbar für mein Leben und meine Gesundheit. Gleichzeitig ist diese Arbeit sehr erfüllend. Wöchentlich machen ich und die anderen Clowns vom Verein Comedicus Besuche, vor allem auf den pädiatrischen Stationen, oder begleiten auch bis vor den Operationssaal. Wir bekommen vorab Infos zu den kleinen Patientinnen und Patienten und wissen, was uns erwartet. Wenn es uns dann gelingt, Beziehung zum Kind aufzubauen und von der belastenden Situation abzulenken, dann ist das etwas sehr Schönes. Wir erzwingen aber nichts. Manchmal ist das Kind oder auch der Gast im Seniorenwohnheim nicht in der Stimmung für unseren Besuch. Da hilft es, wenn man zu zweit ist. Der eine Clown kann den anderen dann humorvoll wieder aus dem Zimmer befördern, ohne dass der Patient in die Verlegenheit kommt, uns hinauskomplimentieren zu müssen.
Du hast den Verein Comedicus erwähnt, für den du arbeitest.
Pauli Demetz hat 1998 Pionierarbeit geleistet, als er den Verein gegründet hat, damals noch als Medicus Comicus. Mittlerweile ist die Clownarbeit in Südtirol etabliert, auch wenn wir schon noch Unterstützung brauchen würden, vor allem männliche! Momentan sind wir acht Clowns, die für den Verein unterwegs sind – immer mit einem Lächeln und für ein Lächeln!
[Sibylle Finatzer]
MARTINA SINNER – CLOWNIN GABY
Instagram/Clown Gaby –
VEREIN COMEDICUS
Clownbesuche in Krankenhäusern, Altersheimen, Schulen, OP-Begleitungen und online – www.comedicus.it
























































































