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CULTURE

„Eremit in den Extremen“
Eine Biografie über den NS-Täter Otto Begus

04 forst

Otto Begus wurde kurz vor 1900 in Südtirol geboren. Mit 16 Jahren ging er freiwillig an die Dolomitenfront. Was danach kam, ist eine Täterbiografie mit vielen dunklen Stellen, die der Historiker Michael Holzmann in seinem Buch „Otto Begus. Das Leben eines Südtiroler Nationalsozialisten“ rekonstruiert.

Dr. Holzmann, wie sind Sie auf Otto Begus aufmerksam geworden?
Meine Dissertation handelte von der „Österreichischen Legion“, einer Spezialformation der deutschen Sturmabteilung (SA), die 1933 nach dem Verbot der NSDAP in Österreich entstanden war. Viele Österreicher gingen als „politische Flüchtlinge“ nach Deutschland und schlossen sich dort der „Legion“ an, um bei günstiger Gelegenheit in Österreich einzumarschieren. Da ist mir Otto Begus zum ersten Mal begegnet.

Was ist dann passiert?
Später meinte ein Freund, er habe ein Fotoalbum von Begus‘ Einsatz in Abessinien gefunden. 1935 war Italien in Äthiopien einmarschiert und er ist gleich nach Beginn der Invasion mit einer deutsch-britischen Militärkommission nach Ostafrika gegangen. Mit dem Album habe ich mich intensiv befasst und noch etliche weitere Archivalien gefunden, die in das Buch eingearbeitet sind.

Wie hat sein Umfeld ihn geprägt?
Seine Familie war Italien wenig wohlgesonnen. Und dass er im Ersten Weltkrieg einen Bajonettstich in den Unterleib erlitten hat, hat seinen Hass auf alles Italienische noch gesteigert. Anschließend hat er in Innsbruck Jura studiert und ist dort als nationalistisch eingestellter Mensch auf rechtsgerichtete Kreise getroffen. Er muss ein intelligenter Mensch gewesen sein, sehr von sich eingenommen und eiskalt. Er war ein überzeugter Nationalsozialist.

Hat er Verbrechen begangen?
Es gibt keine konkreten Beweise, aber ich behaupte, dass Begus, der am 25. Juli 1934 aktiv an der gescheiterten Putschaktion im Bundeskanzleramt in Wien teilnahm, den „zweiten“, tödlichen Schuss auf Bundeskanzler Engelbert Dollfuss abgegeben hat. Es liegen einige starke Indizien dafür vor.
Und vieles weist darauf hin, dass er in Griechenland neben Alois Brunner in Saloniki an Judendeportationen beteiligt war. Es gibt ein umfassendes Auslieferungsgesuch Griechenlands aus den 1960er Jahren mit Zeugenaussagen über Deportationen, Erschießungen und Verhaftungen. Er war sicherlich darin verstrickt.

Wurde er je zur Rechenschaft gezogen?
1945 wurde er von den Amerikanern und Briten verhaftet und verhört. Letztendlich lieferten ihn die Franzosen nach Österreich aus, wo er 1948 zu dreieinhalb Jahren schweren Kerkers verurteilt wurde – aber nicht wegen seiner Kriegsverbrechen, sondern weil er in seiner Zeit als österreichischer Polizeibeamter nationalsozialistisch tätig gewesen war. Aber nach einem Monat hat ihn ein sowjetischer Nachrichtendienst aus dem Gefängnis geholt, damit er amerikanische Geheimdienste in der österreichischen US-Besatzungszone ausspioniert. Er willigte ein – erzählte es aber den US-Behörden. Da spielte es keine Rolle mehr, ob er Kriegsverbrechen begangen hatte. So konnte er sich durchlavieren.

Deshalb auch der Untertitel „Eremit in den Extremen“?
Ich fand diese Formulierung passend für jemanden, der derartig rücksichtslos ist – gegen sich selbst, aber in erster Linie rücksichtslos gegenüber allen anderen, die nicht seiner Marschrichtung folgen.

[Adina Guarnieri]

Michael Holzmann (*1953, München) studierte Geschichte, Politik und Germanistik mit Schwerpunkt 20. Jahrhundert. Seit seinem Ruhestand beschäftigt er sich intensiv mit der Geschichte des Nationalsozialismus in Süddeutschland, Österreich und Südtirol.

 

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