Mit dir, mit allem
„Lungomare“ auf der Biennale in Venedig

Im Mai wurde in Venedig die 61. Kunstbiennale eröffnet. Sie findet seit 1895 statt und ist die älteste internationale Ausstellung zeitgenössischer Kunst. Inzwischen zählt sie zu den bedeutendsten Schauen ihrer Art weltweit. Dieses Jahr steht sie unter dem Motto „In Minor Keys“, also „in Moll“, und will in einer oft chaotischen Welt Entschleunigung bieten. „Lungomare“ aus Bozen hat sich am italienischen Pavillon beteiligt.
Lungomare in der Lagune
„Lungomare“ ist eine Plattform für Kulturproduktion und Gestaltung, gegründet 2003 von Angelika Burtscher und Daniele Lupo, die sich an der Bozner Akademie für Design kennengelernt haben. Aus dem Duo entstand ein Verein und 2023 eine Genossenschaft, die unter anderem multidisziplinäre Projekte in den Bereichen Kunst, Grafik und Ausstellungsgestaltung vorantreibt. Dabei bespielt „Lungomare“ eine Vielzahl von Räumen: öffentliche, private, virtuelle und neuerdings auch die Lagune, denn das Team ist für das public program, den Katalog und die Kommunikation des italienischen Pavillons verantwortlich. Die Einladung kam von der Kuratorin Cecilia Canziani, die seit vielen Jahren mit „Lungomare“ zusammenarbeitet. Ein wichtiger Aspekt in Bezug auf die Gestaltung war jener der Zugänglichkeit, erklärt Daniele Lupo, denn die Schau soll ein möglichst breites Publikum ansprechen. Zeichensprache oder Ausstellungstexte in einfacher Sprache möchten Barrieren abbauen, denn speziell in temporären Ausstellung werde die Zugänglichkeit oft vernachlässigt.
Ein vielseitiges Programm
Das public program findet an drei Wochenenden statt: Ende Juni, Ende September und Ende Oktober. Dabei geht es „Lungomare“ wie so oft darum, die lokale Bevölkerung, Vereine und Organisationen aktiv miteinzubeziehen und gemeinsam die Grammatik des öffentlichen Raums zu erkunden und gegebenenfalls zu beeinflussen. Der junge Poet Giorgiomaria Cornelio hat beispielsweise eigens einen Text verfasst, der dem Traum gewidmet ist und vom Chor „Arcicoro di Venezia“ umgesetzt wird, interpretiert mit der Musik von Roberto Paci Dalò. Und die Autorin Wissal Houbabi holt ein marokkanisches Ritual in die Lagune. Stets mitgedacht ist die Verbindung zur Ausstellung von Chiara Camoni, die den italienischen Pavillon bespielt. „Ein Zugang von Chiara Camoni, der für uns auch wichtig ist und uns sicherlich verbindet“, sagt Angelika Burtscher, „ist dieses gemeinsame, prozesshafte Gestalten“. So gesehen bildet das public program eine Erweiterung der Ausstellung in den öffentlichen Raum.
„Con te, con tutto“
So lautet der Titel der Ausstellung von Chiara Camoni. Die italienische Künstlerin arbeitet vermehrt mit organischen Materialien, Ton und Pflanzen, und lotet dabei auch die Wechselwirkung zwischen Mensch und Natur, Traum und Wirklichkeit aus. Das Kollektive spielt dabei eine wichtige Rolle, womit sie gut zu „Lungomare“ passt, meint Daniele Lupo: „Diese Verbindung zwischen dem Individuum und dem Ganzen wiederzufinden, das ist die große Herausforderung unserer Zeit. Wir müssen endlich verstehen, dass wir keine Einzelpersonen sind, sondern in einer Gesellschaft leben“. Für Angelika Burtscher ist auch die Rückführbarkeit der Materialien ein wichtiger Zugang, denn die Arbeiten von Chiara Camoni könnten fast alle in den Kreislauf der Natur zurückkehren: „Das ist für uns als Kulturschaffende wichtig, denn wir wollen unseren impact auf die Natur und auf die Umwelt möglichst geringhalten und vorsichtig damit umgehen“.
Infos: www.lungomare.org
[Adina Guarnieri]
































































































