Gemeinsam eine schöne Zeit erleben!
Walter Garber (DJ Veloziped): Musik-Auflegen ist meine große Leidenschaft

Der Kulturschaffende Walter Garber ist vielen vor allem als DJ Veloziped bekannt. Anlässlich seines 30-jährigen „Bühnen- bzw. Party-Jubiläums“ hat er ein Buch, genauer gesagt einen ästhetisch und haptisch hochwertigen, extravagant gestalteten Kunstkatalog und eine Platte herausgegeben. In Inside erzählt er, wie es dazu kam und von seiner Laufbahn.
Wie wurdest du DJ? Ist das dein Hauptberuf?
Da hole ich jetzt ein bisschen aus. In den 1990er-Jahren habe ich acht Jahre lang in Wien gelebt und Germanistik und Publizistik studiert. Schon damals legte ich im Freundeskreis auf. Zurück in Südtirol war ich über 20 Jahre lang hauptberuflich Teil des Teams, welches die Erschließung der historischen Bibliotheken in Südtirol verwirklichte, gefördert von der Stiftung Südtiroler Sparkasse. Altphilolog:innen, Bibliothekar:innen, Kunsthistoriker:innen etc. erfassten die historischen Buchbestände landesweit, von Kloster Marienberg im Vinschgau bis Muri Gries und Neustift, auch jene einiger Privatbibliotheken von Adeligen. Gleichzeitig entwickelte ich mich als DJ weiter und legte in Südtirol und im Ausland auf.
Inzwischen übe ich verschiedene kulturelle Tätigkeiten aus. Außerdem arbeite ich für Literatur Lana, betreue den Social Media Bereich und packe überall dort an, wo ich gebraucht werde.
Warum der Name Veloziped?
Veloziped war ursprünglich ein Dreigespann, Armin Holzgethan, Josef Hafner und ich. Unter diesem Namen traten wir 1995 erstmals sozusagen „offiziell“ bei einer Bunkerparty auf, die in den Wiesen von Plars stattfand. Damit die Besucher:innen den Ort finden konnten, hatten wir Fahrrad-Hinweis-Schilder platziert. Ich machte später allein als DJ Veloziped weiter.
Was begeistert dich am DJ-Sein?
Bereits als Teenager faszinierte mich diese Art von Musik und das Gefühl der Verbundenheit der Tanzenden. Musikauflegen ist meine Leidenschaft. Ich fühle mich als Vermittler. Erfasse den Raum und die Leute, den Kontext, in dem das DJ-Set stattfindet und strebe an, den richtigen, den passenden Ton zu treffen. Durch die Auswahl der Musik gelingt es, Atmosphäre zu schaffen und die Leute in Stimmung zu versetzen. Es entsteht ein Gemeinschaftsempfinden, das Schönste ist natürlich, wenn die Leute mitgehen. Sie müssen nicht immer tanzen, wenn sie einfach zuhören und „hierbleiben“ passt auch. Es geht einfach darum, eine schöne Zeit zu schenken... Eine zu erwähnende Besonderheit ist, dass ich ausschließlich mit Vinyl-Platten arbeite. Inzwischen ist meine Sammlung auf über 7.000 Platten angewachsen. Ebenfalls eine Leidenschaft.
An welchen Orten trittst du auf? Welche Musik legst du auf?
Ich trete in allen möglichen Kontexten auf, klassisch in Clubs, bei Kunst- und Literaturveranstaltungen, auf der Alm, in Parks – einige erinnern sich vielleicht an Sunday Best im Park von Schloss Pienzenau, wo wir die heute gängigen Daytime Raves vorweggenommen haben. Dementsprechend breit gefächert ist auch mein Musik-
repertoire. Es reicht von Techno beim Rave im Bunker bis Downbeat bei einer Vernissage. Ein zauberhafter Schauplatz für ein Event war im Wald im Sarntal, bei dem mein Freund, der Designer William D’Alessandro seine filigranen Holzlampenschirme ausstellte, ich habe aus Respekt vor der Natur nur Ambient (ohne Beats) aufgelegt. Apropos, im Sarntal trete ich öfter auf, dort trage ich natürlich immer einen Sarner-Janker.
Wie kam es zum Buch und zur Platte? Was findet sich darin und darauf?
Ich legte beim Designstudio DOC.BZ in Bozen auf und erzählte Alessandro Gatti ganz nebenbei, dass ich seit bald 30 Jahren DJ bin. Er hatte daraufhin die Idee, ein Buch zu gestalten. So kam eines zum anderen. Alessandro und seine Mitarbeiterin Vanessa Moroder sind für die Gestaltung verantwortlich. Es gab jede Menge Flyer und tolle Fotografien von mir und den Veranstaltungen. Den Einstieg ins Buch bilden drei Haupttexte von Christine Vescoli, Bart van der Heide und Antonio Lampis, es gibt zudem zahlreiche Statements von weiteren Weggefährt:innen in mehreren Sprachen. Kurzum, eingefangen werden unzählige Momente und Erlebnisse.
Die Platte ist bei meinem Label „Veloziped“ erschienen. Es handelt sich um eine EP, also eine Maxi Single mit zwei bisher unveröffentlichten Tracks – ein Electro- und ein Downbeat-Stück – von Scott Ferguson, einem DJ und Producer aus Detroit, der derzeit in London lebt. Wir sind Freunde und haben schon sehr oft gemeinsam aufgelegt. Die Verwirklichung des Buches und der Platte wurde mit einem Beitrag der Autonomen Provinz Bozen, Amt für Deutsche Kultur, ermöglicht, vielen Dank dafür!


























































































































