Gemeinsam musizieren und tanzen
Markus Prieth von Opas Diandl im Gespräch über die Zukunft der Volksmusik
Markus Prieth gilt als einer der Pioniere der neuen oder auch progressiven Volksmusik, gemeinsam mit seinem Ensemble „Opas Diandl“ gastiert er auf heimischen und internationalen Bühnen. Er gibt im gesamten deutschen Sprachraum Jodelkurse und findet den Begriff „Musikant“ durchaus charmant.
Lieber Markus, erkläre doch mal unseren Lesern und Leserinnen den Unterschied zwischen traditioneller und neuer Volksmusik, im Gegensatz wiederum zu der in den 1960er Jahren entstandenen Sparte „volkstümliche Musik“ als populäre Unterhaltungsmusik. Ist die Unterscheidung in „ernste Musik“ und „Unterhaltungsmusik“, wie sie in manchen Medien propagiert wird, aufrecht zu halten?
Ich persönlich möchte diese Unterscheidung eigentlich gar nicht machen. Manchmal werden die Veranstaltungen mit Symbolen in „ernste Musik“ und „Unterhaltungsmusik“ unterteilt, mir ist diese Unterscheidung nicht wichtig, denn ich denke, dass Musik immer unterhalten soll. Musik ist dazu da, dass Menschen zusammenkommen, musizieren, tanzen, singen, gemeinsam Freude haben und sich unterhalten. Auch die traditionelle Volksmusik wollte unterhalten. Darum muss auch sie heute interpretiert werden, Tradition ist stets im Wandel. Gerade mit klassischen Instrumenten und einer klassischen Ausbildung tut man sich schwer, einen Landler oder eine Polka vom Blatt zu spielen, alle Töne wie vorgesehen auszuspielen, denn auf diese Weise kommt es manchmal akademisch rüber und vermittelt keinen lebhaften Rhythmus, keine Lust zu Tanzen. Diese Musik muss man fühlen und beim Musizieren lernen, wie es am besten klingt.
Auch die Klassik soll unterhalten. Gerade in Italien sieht man ja, dass einige der größten Opernkomponisten der seriösen Oper (wie Verdi und Rossini) Elemente der Volksmusik in ihre Werke miteinbezogen haben. In ganz Europa war dies der Fall. Die Unterscheidung in seriös und unterhaltsam (die seriöse Oper auf der einen Seite und die triviale Operette auf der anderen Seite) kam eigentlich erst im Zuge des 19. Jahrhunderts und mit der Romantik auf. Heute sitzen die Leute manchmal in unbequemen Stühlen und lauschen einem recht unzugänglichen Konzert, das ist nicht meine Konzeption. Musik soll Spaß machen. Natürlich ist das, was ich mache, nicht Teil der Schunkelfraktion. Aber alles hat seine Berechtigung.
Du sagst, diese Musik muss man fühlen und beim Musizieren lernen, wie es am besten klingt. Die Menschen sollen sich unterhalten.
Volksmusik ist heute eine Nische geworden, was in Südtirol nicht so ersichtlich ist, weil es politisch so gewollt ist, diese Musik als traditionelle Kultur Südtirols zu fördern. Sie wird daher immer noch viel gespielt, allerdings, wie gesagt, auf großen Bühnen, und eigentlich nicht von und für und unter den Menschen, sie wird nicht einfach so wie früher im Wirtshaus gespielt. Daher ist es natürlich heute eine Nische, denn die Volksmusik kommt nicht mehr unters Volk. Sie wird heute eigentlich nur dort praktiziert, wo noch Hausmusik daheim gespielt wird. Das möchten wir eigentlich wieder ändern und die Musik unter die Leute bringen.
Wie wollt ihr das denn ändern?
Na ja, indem wir z.B. wieder Wirtshausmusik machen. Einerseits gebe ich Jodelkurse, die Leute können dabei einfach das Jodeln entdecken. Andererseits leite ich auch Laienchöre wie den Ost-West-Club-Chor. Da geht es einfach ums Zusammenkommen, Musizieren und Singen. Dabei entsteht immer etwas Neues. Oder eben die Wirtshausmusik. Da kommen Menschen verschiedener Generationen, jung und alt, und bringen einfach ihre Instrumente mit. Dann beginnt das gemeinsame Musizieren.
Du meinst, eine Art Jam Session wie in schottischen oder irischen Pubs?
Ja, wobei die Livemusik in Irland eigentlich von der Tourismusindustrie ins Leben gerufen wurde. Früher war Musik in den Pubs sogar verboten, man spielte da Hausmusik, so wie bei uns. Heute werden die Sessions dort gerne gesehen, aber im Rest von Europa wurde ein anderer Weg eingeschlagen, die Wirtshausmusik ist in den meisten Ländern mit großen Problemen verbunden. Auch bei uns, da es nämlich kompliziert ist herauszufinden, wie es mit den Autorenrechten und mit der SIAE zu lösen ist. Im Grunde wird ja ein Lied nach dem anderen gespielt und sofort in etwas Eigenes verwandelt. Manchmal weiß man auch gar nicht, welches Lied gerade gespielt wird oder ob es hier überhaupt noch Autorenrechte gibt. Hier sind wir noch dabei, eine korrekte Lösung auszuarbeiten.
[Haimo Perkmann]
WAS STEHT IN NÄCHSTER ZEIT AN
Neben den monatlichen Wirtshaus-Sessions bietet Markus Prieth gemeinsam mit Irma Maria Troy auch im Jahr 2025 wieder Jodelkurse, Seminare und Workshops an, in denen zum Beispiel die Volksmusik verschiedenster Länder dieser Erde untersucht und gespielt wird. Unter dem Motto: Hauptsache, die Musik lässt uns tanzen, geht es dort musikalisch zur Sache!
Infos dazu unter: www.markusprieth.com